Digitales Versagen
Fortschritt
Ganz klar ist mir das aber noch immer nicht. Ich bin ein großer Freund der Digitalisierung. Tausende Buchseiten auf einem kleinen Kindle. Fünfundzwanzigtausend Lieder auf meinem iPod.
Auch die Zukunft sieht rosig aus und die technische Entwicklung macht alte Ideen endlich umsetzbar. Virtuelle Realitäten mit Oculus Rift. Die Uhr die mit mir spricht.
Faszination Technik
Nur irgendetwas zieht mich immer wieder zurück; in die analoge Welt. Wieso nicht doch eine Jaeger-LeCoultre-Uhr kaufen? Die Faszination mit einer vergangenen technischen Revolution, zwischen zeitlos und Zeitmessung. Da muss man sich aber dann auch die Frage stellen, wo man aufhört. Wenn man Neil MacGregor zuhört möchte man fast sein Zwillingsset durch einen spitzen Stein ersetzen.
Für denjenigen, der nicht dem ideologisch verbrämten Konservativismus anheim fallen möchte und sich nicht nur aus Trotz genau die Zeit vor 150 Jahren als das “goldene Zeitalter der Technik” herauspickt, bleibt im Zweifelsfall nichts anderes übrig als das Hier-und-Jetzt zu konzentrieren. Das bedeutet natürlich nicht, jede Technologie sofort ohne Fragen einzusetzen, jedoch dürfte man auch nicht zu lange hinterherhinken.
Aber
Ja, wenn da nicht so ein paar Details wären. Trotz Tablet und Cloud gibt es doch noch immer Dinge, die einfach nicht so gut funktionieren, wie in der guten alten, analogen Welt. Kalender sind so ein Beispiel für mich. Der digitale Kalender ist in manchen Aspekten das beste seit geschnitten Brot: Er muss nicht neu gekauft werden, wenn das Jahr um ist und er synchronisiert sich automatisch über mehrere Geräte.
Kalender
Aber bei jedem Jahreswechsel überlege ich mir doch, ob mir nicht eine schöne Agenda kaufen sollte. Das haptische Feedback beim Umblättern, aber auch die Leichtigkeit der Verwendung. Ein wahres Einzweckgerät. Vorne Kalender, hinten Notizen. Nicht Touch-ID, zwei mal tippen und dann noch mit der winzigen Tastatur rumschlagen. Auch die Archivfunktion ist natürlich unübertroffen. Allein die Vorstellung, irgendwann ein Archiv zu haben mit den gesammelten Notizen und Kalendereinträgen der letzten zehn Jahre hat doch was, oder?
Und dennoch. Noch ein “Gerät” mitnehmen nur für den Kalender? Und daher gehe ich dann doch meist den Umweg, dass ich meine Termine lieber auf dem Mac mit [Quickcal](https://www.alfredapp.com text: Alfred) und (link: http://quickcalapp.com) eintrage. Da tippt es sich schneller und dank Synchronisierung ist es dann doch überall.
Backup
Menschen mit einem Hang zum Sammeln (wie ich). Freuen sich natürlich über die zunehmende Digitalisierung und damit Miniaturisierung. Eine Festplatte hält auf knapp 9cm mehr Daten, als gedruckt in ein ganzes Haus passen. Damit steigt aber natürlich auch der potentielle Verlust. Die Photoalben meiner Eltern haben für einen möglichen Einbrecher in der Regel keinen Wert, Feuer und Wasser würden jedoch auch davor keinen Halt machen. Für die Daten stellt der Bit-Zerfall - sowohl schleichend, als auch plötzlich - zusätzlich zu den genannten, eine zusätzliche und die wahrscheinlichste Bedrohung dar. Hierdurch sehe ich mich gezwungen Anstregnungen zu unternehmen, um mit gegen die o.g. Gefahren (insbesondere Plattenausfall, Diebstahl, Blitzeinschlag, Feuer, …) abzusichern. Konkret bedeutet das für mich. Zwei Festplatten, welche lokal per Time-Machine das Backup der angeschlossenen Rechner aufnehmen; und zusätzlich ein Langzeitabo bei Crashplan um mich auch noch gegen mehrfachen Plattenausfall und vor allem Diebstahl/Überspannung zu sichern. Was für ein Aufwand!
Die Digitalisierung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts und treibt damit die Kosten und vor allem den Aufwand in die Höhe. Es wird Zeit, dass es hierfür eine günstige unaufwändige Lösung gibt. Die Technologien existieren ZFS lokal und eine übergangslose Integration von Cloud-Backup in jedem Gerät wäre ein großer Schritt.